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LANZAROTE - Die vierte Woche
 


Dienstag, 8.10.2002:

Uuuuups - in fünf Tagen ist meine Vernissage!!! Jetzt muß ich mich langsam ranhalten!!! Die Casita steht zwar schon voller Bilder in allen Größen, aber noch habe ich nicht alle Ideen aus meinem Kopf. Aber die Arbeitsbedingungen in unserer Dreier-WG sind perfekt - mein Vater brettert jeden Morgen auf seiner Vespa los und kommt erst abends meist mit etwas Eßbarem wieder, Wessi schreibt schon an ihrem 27. Brief/Karte (!!!!!) und ich schlage mich mit so unkreativen Nebensächlichkeiten herum wie einem aufgrund der schwankenden Stromspannung verreckenden Diaprojektor.

Apropos Stromspannung: irgendwie erinnert Wessi alles hier an ihre Kindheit auf Gran Canaria - zum Beispiel das Milchpulver und die Guavenpaste im Supermercado, die Kakteen mit den Cochenille-Läusen hinterm Haus, der ewige Stromausfall, oder daß man nichts ins Klo schmeißen darf. Als Reminiszenz an ihre Vergangenheit stellt sie sich deshalb jeden zweiten Tag in den Garten und verbrennt das Klopapier in einer eigens dafür gebauten Lavafeuerstelle - die wenigen Bauern, die an unserer Casita vorbeikommen, trauen echt ihren Augen nicht!! Ihre spanische Erziehung zeigt sich auch darin, daß sie mit stoischer Ruhe den ständigen Ausfall des gasbetriebenen Kühlschranks erträgt...oder daß man nach Sonnenuntergang weder duschen, noch abwaschen kann, weil sonst der mords-ökologische Wind- und Solarstrom minutenlang ausfällt. Ich bin echt zu deutsch für sowas - ich flippe jedenfalls regelmäßig aus!!!!

Oder auch eine sehr spanische Geschichte: eines Tages ertappen wir eine winzigkleine Maus in meiner Küche, ich fange sie mit Lebkuchen und stecke sie gegen Wessis Protest zur Beobachtung in eine Plastikbox, weil ich sie soooo süß finde (zur Erklärung: ich hatte als Kind eine ganze Mäusefamilie....). Ein paar Stunden später komme ich in mein Zimmer und die Maus hat anscheinend Flügel gekriegt....jedenfalls ist sie nicht mehr aufzufinden und anscheinend aus der Tür ausgebüxt. Nachts wache ich auf, weil etwas an meinem Arm entlangstreicht und keine paar Sekunden später trippelt etwas an meinem Ohr vorbei übers Kopfkissen!!! Puuuhhh, da standen mir aber trotz aller Mauseliebe echt die Haare zu Berge!!! Maus im Bett in finsterer Nacht - das muß echt nicht sein!!! Als ich eine halbe Stunde später das Licht anmachen mußte, weil sie einfach nicht aufhörte, in meinen Malsachen herumzukruschteln, fiel sie vor Schreck in den Papierkorb und damit in hohem Bogen raus!!!!!
:-)


Der Vater...
Die Wessi...
Die Maus...

Die letzten drei Tage vor der Vernissage gehen rasend schnell vorbei. Zweimal gehe ich noch in Jameos surfen, allerdings bei kleineren Wellen (da klappt sogar das Halsen...) und ohne Zwischenfälle, dafür stehe ich dann aber auch bis 3 Uhr nachts im Atelier und stelle mir wieder den Wecker für 8 Uhr früh. Mein Vater achtet darauf, daß ich noch genügend esse - irgendwie ist er, glaube ich, ziemlich irritiert von meiner Arbeitswut. Die Tage vor meinen Vernissagen hat er bisher noch nie erlebt, sondern höchstens beim Bilderaufhängen geholfen und hatte nie eine Vorstellung davon, wieviel Arbeit in so einer Ausstellung steckt. Wessi ist mir auch eine große Hilfe - als die Zeit knapp wird, fährt sie (zwar wie ein Rohrspatz zeternd, aber immerhin!!!) alle naselang zum Supermercado oder sogar bis nach Arrecife, um noch irgendwelche Materialien zu besorgen. Am Freitag morgen, den 11.10., ist dann also alles fertig (mitsamt der Künstlerin...) und wir brauchen zu dritt sechs geschlagene Stunden, um alle 27 (!!!) Bilder im IKARUS zu hängen. Aber ich bin zufrieden - das ist das Wichtigste!!

Leider bin ich durch den wenigen Schlaf in den Nächten vorher so müde, daß ich von meiner eigenen Vernissage kaum etwas mitbekomme, aber es ist trotzdem supernett - fast alle Leute, die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe, sind gekommen, das Essen ist lecker, der Wein zieht mir fast den Boden unter den Füßen weg und gottseidank werden auch keine Reden geschwungen!!! Also ein fulminanter Abschluß für einen produktiven und rundum gelungenen Urlaub!!!!
(Mehr Fotos von den Bildern und der Vernissage gibt es >>hier)


Wenn man wenigstens weiß....
...daß sich das ganze Gezeter gelohnt hat....
....ist ja alles halb so wild!!! ;-)


Samstag, 12.10.2002:



So, nach dem ganzen Gezeter habe ich mir echt noch ein paar faule Tage verdient!! Naja, so ganz faul werden sie doch nicht, der Wind hält nämlich noch an (immer so um die gemütlichen 5 Bft) und so fahren wir endlich auch mal nach Las Cucharas, damit auch Wessi mal das Wasser unsicher machen darf. Wir suchen uns die bestaussehendsten Surflehrer (Carsten und Paul von der Sun & Fun-Station) und los geht's!! Und ich muß sagen, daß Wessi sich so supergut anstellt, daß sie mit ein bißchen Übung wahrscheinlich schneller den Loop springen wird als ich!!! ;-))
Also ich habe das jedenfalls am Anfang fast nie geschafft, immer genau da wieder vom Wasser zu kommen, wo ich reingegangen bin....und sie hatte auch nach zwei Stunden hin und her cruisen immer noch keinen badefreudigen Touri auf dem Gewissen - Respekt!!! Das macht doch Hoffnung für die Lago-Saison!!! :-)

Ich habe jedenfalls in Las Cucharas fast die beiden besten Tage des ganzen Urlaubs - im Gegensatz zu Jameos muß man in der Welle, die sich draußen am Riff aufbaut, nicht permanent aufpassen, daß man keine materialschädigenden Fehler macht, sondern das Wellenreiten geht so relaxt und easy, als hätte man nie etwas anderes gemacht!

Ich kann eigentlich kaum beschreiben, wieviel Freude ich dort draußen hatte - einmal zum Beispiel düste ich so vor mich hin und plötzlich zischte vor mir in Luv ein fliegender Fisch aus dem Wasser und segelte total lang mit seinen silbrigen Helikopterflügelchen neben mir her, bis er dann nach einer langgezogenen Kurve wieder in Lee ins Wasser platschte...irre!!! Und danach gleich noch einer!!! Irgendwie bin ich da alleine ganz weit draußen einfach am glücklichsten - nur mit den Möwen, den Fischen, dem Wind und dem Meer. In solchen Momenten hört bei mir endlich das ewige Denken auf und ich BIN einfach nur noch.....ein Wasserwesen, das vor Freude schier zerspringt!!!
Oder danach in den Wellen über dem Riff herumzukurven und über den schäumenden Weißwasserteppich zu fliegen - das Wasser hat dort auch eine absolut unglaubliche Farbe....als würde man Curacao Blue in Sahne kippen.....babypastelltürkisblau!!!! Wahnsinn!!! Tja, das kann man schlecht beschreiben, das muß man einfach selbst erleben, schätze ich....

Nach so einem traumhaften Tag setzen wir dem ganzen noch die Krone auf: mein Vater lädt uns ganz nobel zum Essen im Lag-o-Mar in Nazaret ein, ein Restaurant mit Bar, Pool und Gästezimmern, die in den roten Felsen gehauen wurden
- besonders die Bar ist absolut sehenswert und das Essen ein Gedicht!!!


Aber ein Höhepunkt des Urlaubs steht uns noch bevor: ein Besuch im Nationalpark von Timanfaya, das Ergebnis von jahrelangen Erdbeben und Vulkanausbrüchen Mitte des 18. Jahrhunderts (genaueres darüber >>hier).

Und so was beeindruckendes habe ich selten gesehen - auf 200 Quadratkilometer erstrecken sich Vulkanformationen in den schönsten Farben. Man sieht richtig, wie die Erde die verschiedenen Gesteinsschichten ausgespuckt und damit verstreut hat - und die Erosion hat ihr übriges getan. Man sollte unbedingt zu dem Aussichtsrestaurant hochfahren und eine Bustour durch die Krater mitmachen - auch wenn man nirgends aussteigen darf, ist der Blick dort einfach umwerfend. Auch nicht schlecht ist die Tatsache, daß es nur 2 Meter unterhalb der Oberfläche noch so heiß ist, daß man trockene Büsche damit entzünden kann - oder wenn man einen Schacht gräbt, über der aufsteigenden Hitze Steaks braten kann!!


Eins ist jedenfalls sicher - Lanzarote wird mich auf alle Fälle wiedersehen, vielleicht schon im Januar - schließlich muß ich ja meine Gemälde unbedingt persönlich wieder abholen!!!

;-))

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