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LANZAROTE
- Die erste Woche
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Dienstag,
17.9.2002:
Schlafen, schlafen und nochmals schlafen.....mein einziger Wunsch nach den letzten
vier ziemlich heftigen Tagen!!!! Aber ich bin ja selber schuld - ich mußte
ja unbedingt noch am Wochenende mit Wessi zum Gardasee fahren und daraus resultiert,
daß ich nur genau einen Abend Zeit hatte, um mein gesamtes Surfgerödel
und sonstiges Gepäck noch flugfertig zu machen. Mal ganz abgesehen davon,
daß ich mir auch noch einbildete, unbedingt von meiner Abreise die Fotos
des Wochenendes hochzuladen und das hieß: die Nacht durcharbeiten und
um 6.25 Uhr morgens (welch unchristliche Zeit!!!) tot in den Flieger sinken!!!
Da ich aber im Flieger keine Sekunde schlafen kann, komme ich dementsprechend
gerädert in Arrecife an, werde aber wenigstens ganz lieb von dem Fotografen
Rainer (den ich noch von einer Fotoproduktionsreise im April her kenne) und
seiner Frau Vanessa empfangen.
Der blitzblaue Himmel und die genialen Temperaturen trösten mich locker
darüber hinweg, daß mein Mietwagen ausgerechnet ein froschgrüner
Corsa ist.....brrrrr - und das mir!!! Aber es war wohl der einzige mit
Dachgepäckträger und ich muß zugeben, er ist ein tapferes Vehikel:
ohne Murren schultert er mein Malzeug, meine Surftasche, die zwei Boardbags
und die fette Quiverbag und wir kurven gemeinsam durch die atemberaubende Landschaft
in den Norden der Insel zu der kleinen Casita, die ich für vier Wochen
gemietet habe. Sie liegt oberhalb von Punta de Mujeres
am Berg mit Blick über die gesamte Bucht von Arrieta und - genial!!! -
in Sichtweite des besten Surfspots der Insel: Jameos del Agua. Gottseidank ist
kein Wind, ich wäre echt zu foxy, um auf's Wasser zu gehen!!
Aber auch selbst nach 31 Stunden Schlafentzug noch nicht foxy genug, als daß
sich der Ästhet in mir mit der Einrichtung meiner neuen Behausung, nämlich
grellgemusterten Bettüberwürfen, gruseligen Flickenteppichen und liebevoll
selbstgehäkelten Wandbildern abfinden könnte. Ich bin ja sonst echt
schwer überzeugt von den Spaniern, aber wie sie ihre Wohnungen einrichten,
spottet jeder Beschreibung!! Der werte Leser wird mich sicher für bekloppt
halten, aber erst, nachdem ich eine Stunde lang jeden der vier Räume von
sämtlichen häßlichen Gegenständen befreit habe, kann ich
endlich mausetot ins Bett sinken....
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Ein
Blick vom Dach meiner Casita zeigt: ich wohne wirklich in the middle of
nowhere - perfekte Ruhe zum Malen!! Im Norden Lavafelder, im Osten der
Blick aufs Meer und Punta de Mujeres, im Süden wieder Lavafelder
und im Westen werde ich jeden Abend mit einem traumhaften Sonnenuntergang
über den Lavabergen verwöhnt!!!!
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Abends
steht gleich ein Abendessen mit Rainer in der Location an, wo ich in knapp vier
Wochen ausstellen werde: dem IKARUS in Teguise,
eines der renommiertesten Restaurants der Insel. Erfreulicherweise ist das Essen
wirklich genial - schließlich werde ich die nächsten Wochen sicher
öfters dort sein!!! Beim Wände vermessen stelle ich fest, daß
es doch größer ist, als ich dachte!! Mist - das sieht nach richtig
viel Arbeit aus!!!! Aber mit Christian, dem Chef des IKARUS verstehe ich mich
super und er ist schon sehr gespannt auf meine Bilder!!!
Als ich nach Mitternacht nach Hause komme, stelle ich fest, daß ich gleich
mal die Hausschlüssel verschmissen habe - na Bravo!!! Und das schon am
ersten Tag!!! Gottseidank ist das Schlafzimmer extra zugänglich, so daß
ich nicht im Garten schlafen muß.... ;-))
Die nächsten drei Tage bin ich erstmal zur kreativen Untätigkeit verdammt,
da das Paket mit meinen wichtigsten Farben, dem Schlagmetall und meinem Werkzeug,
das ich vor zehn Tagen losgeschickt habe, immer noch nicht bei Rainer angekommen
ist. Ich muß allerdings zugeben, daß es mich etwas nervös macht,
daß jeder der Einheimischen, dem ich davon erzähle, mich mitleidig
angrinst und meint, wenn ich das Paket noch vor meiner Abreise bekäme,
könne ich froh sein!!! Verdammt, vier Wochen sind schon knapp genug und
jetzt auch noch sowas!!! Da habe ich doch glatt mal wieder zu deutsch gedacht!!!
Und ich kann noch nicht mal surfen gehen, um mich abzulenken, da der Wind -
wie im September üblich - ganz böse schwächelt. Da trifft es
sich gut, daß mich Tom, einer der Jungs aus dem IKARUS, an den Strand
von Famara schleppt, um mir das Wellenreiten beizubringen - und ich stelle mich
gar nicht mal so blöd an!!! Aber ganz ehrlich (und die Wellenreiter werden
mich jetzt sicher steinigen....) - es geht doch nichts über einen Gabelbaum
in der Hand!!! Schon beim Zuschauen schlafe ich fast ein - die Jungs schwimmen
doch stundenlang nur im Wasser herum, mal links lang, mal rechts lang, mal anpaddeln,
die Welle verpassen, mit den anderen quatschen.....puuuhhhh!!! Ich stelle fest,
Wellenreiten ist viel zu meditativ für mich, Windsurfen dagegen ist Action
pur - springen, herumheizen, fette Schleuderstürze rauslassen.... ;-))
Und wenn Flaute ist, dann schlafe ich halt - hab eh noch das totale Defizit!!!
Aber der Strand von Famara ist ein Traum - riesig
groß, am nördlichen Ende gesäumt von einer beeindruckenden Felswand,
an der sich bei guter Thermik die Drachenflieger tummeln, am südlichen
Ende begrenzt durch den Ort Caleta de Famara, der
fest in der Hand der meist bekifften Wellenreiter ist. Und bei guter Sicht kann
man sogar die wunderschöne Zeichnung der Sanddünen von der vorgelagerten
Insel La Graciosa erkennen.
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Die
zwei Tattoo-Freaks Fabio und Tom
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Famara
mit Blick auf La Graciosa
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Tom
mit seinem Lieblingshund Mangu
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Da ich ja nicht den ganzen Tag am Strand abhängen kann, kurve ich ziemlich
viel mit meinem "Froschmobil" durch die Gegend und muß permanent
aufpassen, daß ich nicht vor lauter Staunen über die wunderschöne
karge, aber dadurch umso majestätischere Landschaft im Graben lande.
Das Farbenspiel auf den Vulkanbergen kombiniert mit den Schatten der ziehenden
Wolken ist einfach zu schön!!! Arrecife
dagegen ist eine ziemliche Enttäuschung - die 30 000-Einwohner-Hauptstadt
ist ziemlich gesichtslos und hat außer einer verfallenen Festung, vielen
chaotischen Gassen, einer Fußgängerzone und ein paar Kinos nicht
richtig viel zu bieten. Aber wenigstens weiß ich jetzt, wo die Hauptpost
ist (da frage ich täglich nach meinem Paket!!!) und der Künstlerladen
- in dem ich in den nächsten Wochen ein Vermögen für Keilrahmen
und Leinwände lassen werde!!!
Samstag, 21.9.2002:
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Heureka, mein Paket ist da!!!! Allerdings ahne ich Böses, als Rainer schon am Telefon sagt, aus dem Paket würde es blau herausrieseln.....und tatsächlich - irgend so ein Idiot hat es anscheinend aus mindestens drei Meter Höhe vom Flugzeug direkt auf's Rollfeld fallen lassen!!!!! Meine Sympathie für die Einheimischen sinkt kurzeitig auf den Nullpunkt!!! Beim vorsichtigen Auspacken stelle ich fest, daß drei der zugeklebten Plastikschachteln mit Pigmenten aufgeplatzt sind, obwohl sie nochmal in einem festen Extra-Karton verpackt und mit Zeitungspapier geschützt waren!! Soviel zum Thema Post - den Samstagnachmittag verbringe ich damit, sämtliche Werkzeuge, Farbtuben, Pinsel, Malklamotten etc. von blau/gelb/bronzenen Pigmenten zu befreien....und mache meinen Garten zum farbenfrohen Gesamtkunstwerk!!! |
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Wenigstens
kommt am Abend Tom vorbei und backt Pfannkuchen für mich (naja,
eigentlich eher für sich....!!!!), während ich die ersten
Rahmen zusammenbaue und mit Leinwand bespanne....anstrengend, aber leider
unumgänglich!!! Und am Sonntag morgen sitze ich brav mit Rainer
vorm Computer, um schon mal das Plakat und die Einladungen für
die Vernissage zu layouten. Echt klasse - noch kein einziges Bild gemalt,
aber schon Einladungen drucken!!!! Das kann ja heiter werden!!!!! ;-))
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